Leserbrief an die Chefredaktion Süddeutsche Zeitung von Gabi Zimmer:

 

Sehr geehrter Herr Kister,

mit Interesse habe ich in Ihrer Druckausgabe vom Samstag, den 3.5.2014, den Artikel „Die Stunde der Populisten – Warum rechte Parteien in Europa so erfolgreich sind“ von Thomas Steinfeld auf den Seiten 8 und 9 gelesen. Ich finde es sehr gut und wichtig, dass sich Ihre Zeitung im Vorfeld der Europawahl im Mai mit dem Problem rechtsextremer, eindeutig EU-feindlicher Positionen auseinandersetzen, die in einigen europäischen Ländern großen Zulauf erfahren. Eingebettet in diesen Artikel finden sich die Porträts und Kurzbeschreibungen einzelner Politiker, deren Positionen kurz erläutert werden. Erstaunt musste ich allerdings feststellen, dass auch Alexis Tsipras, der Vorsitzende der griechischen Linkspartei SYRIZA und Spitzenkandidat der Europäischen Linken für die Kommissionpräsidentschaft, in dieser Auflistung erwähnt wird. Im Gesamtkontext von rechtsextremistischen und nationalistischen Parteien erscheint mir diese Darstellung sehr merkwürdig.

Hierbei möchte ich klarstellen, dass Alexis Tsipras in keiner Weise EU-feindlich eingestellt ist, geschweige denn den Austritt von Griechenland aus der EU oder dem Euro fordert. Er hat mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass die Eurokrise ein europäisches Problem ist und eine Lösung in der EU erfordert. Alexis Tsipras stellt sich, wie auch die Partei DIE LINKE. in Deutschland, vehement gegen ein Krisenmanagement, das zu Lasten der Bevölkerungsmehrheiten in Griechenland geht. Die wenigsten von ihnen sind für die Schuldenkrise, die Korruption und die Missstände im eignen Land verantwortlich zu machen. Während die Vermögenden bei all den von der Troika durchgesetzten Maßnahmen bisher mehr als nur glimpflich davon gekommen sind, geht es gerade bei den sozial Schwächsten inzwischen ums Überleben. Niemand sollte erwarten, dass ein griechischer Linker zu einer solchen ungerechten und unsozialen Politik schweigt – auch nicht, wenn sie von EU-Institutionen ausgeht und von der griechischen Regierung umgesetzt wird. Als Spitzenkandidatin der Partei DIE LINKE zu den Europawahlen erhoffe ich mir hingegen von der Süddeutschen, dass die Redaktion Alexis Tsipras entsprechend seiner Positionen einzuordnen, die er auch in Ihrer Zeitung in einem Interview in der Wochenendausgabe vom 15./16.2.2014 vertreten hat, anstatt ihn in eine Reihe von antieuropäischen Rechtsextremisten und -populisten zu stellen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Gabi Zimmer

 

Nachtrag: Die Süddeutsche hat zwar meinen Leserbrief nicht gedruckt, aber in der Ausgabe vom 7.5.2014 Korrekturen vorgenommen, mit dem Hinweis, dass ihre Darstellung von Alexis Tsipras irreführend war.